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Das Rauschen im Blätterwald... Reiseberichte & was die Presse zu uns sagt.

“Queer Travel” 1/2013: Mit den Huskies durch Lappland
Weiß, kalt, atemraubend: Eine Frauengruppe reist mit Hundeschlitten durch die Wildnis nördlich des Polarkreises und erlebt pure Magie

Und als Bonbon: Eine Geschichte der “writing scouts” vom NORDventure-Team!

Siegessäule

Kanu-Reisebericht aus der UKZ

Motorrad-Reisebericht (WOW/Hexenring)

lespress

Literarisches Kabarett am Lagerfeuer  (aus: lespress, 8/2000)

    Reisen ist eine Massenbewegung geworden. Reiseveranstalter gibt es wie den berühmten und im Sommer sehr gewünschten Sand am Meer, und auch das gezielte Auswählen des passenden Angebots ist per Suchwort im Internet nicht mehr besonders schwierig. Wo jedes Interesse, jedes noch so skurrile Splittergrüppchen seine Website findet, ist Originalität ein denkbar altmodischer Anspruch, der kaum noch zu erfüllen ist. Auch "NORDventure" fällt unter den Anzeigen für Frauenreisen zu den üblichen Reiter- oder Bauernhöfe in der Lüneburger Heide erstmal nicht besonders auf. Aber dahinter verbirgt sich eine Formel, die ein heutiges Bedürfnis ins Schwarze trifft. Man will der Natur so nah kommen wie möglich, ohne dabei jedoch auf Unterhaltung ganz zu verzichten. Doch meist geht nur das eine ohne das andere.

    lespressWenn Susann Kaiser, mit Schwimmweste und Paddel ausgerüstet, die Teilnehmerinnen ihrer zweiwöchigen Kanutrips durch einsame, schwedische Seengebiete lotst, sieht das aus wie jede andere gewöhnliche Kanutour auch. Man sieht viel Natur, glaubt sich authentisch und wünscht sich spätenstens nach einer Woche ein Radio.

    Aber abends am Lagerfeuer ist bei NORDventure einiges anders. Hier ist die Radiostimme gewissermaßen live dabei.

    Am Seeufer, wo der Wald schon beginnt, wenn das Ufer kaum aufgehört hat, mitten in der Wildnis, mit Tannennadeln und Bioseife im Haar, weil man das Wasser, in dem man sich wäscht, auch trinken muß, dort also, wo man auf dreißig Kilometern keinem Menschen begegnet, zieht Susann Kaiser ihr Jacket an, tut, als wäre der Waldboden eine Bühne und tritt auf. Und wenn das Feuer nicht genug Licht gibt, helfen im Notfall auch Taschenlampen.
    Die Auftritte sind professionell. Seit einiger Zeit tourt die Berliner Journalistin gemeinsam mit der Linguistin und Sexpertin Laura Méritt mit ihrem erotischen Kabarett durch Cafés und Theater in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ob es Szenen aus "Der dressierte Mann" von Esther Vilar oder Texte von Erika Jong oder Rita Mae Brown sind, immer leben die Texte von gekonnten Improvisationen und Situationskomik.

    Da berufliche identitäten heutzutage so multipel sind wie die Bedürfnisse der Erholungssuchenden, hat Susann Kaiser einfach das eine mit dem anderen verbunden: Paddeln und Kabarett, Motorradfahren und Lesungen, Wildnis und technikunabhängiges Entertainment. Und schließlich hat man selbst auf dem Wurzelboden in der schwedischen Wildnis das Gefühl, in einem gemütlichen Kreuzberger Café zu sitzen -

    Frau kann vom Tagesausflug bis zur Zweiwochentour in Schweden, Norwegen oder auf der Mecklenburgischen Seenplatte alles buchen, wozu Lust, Kraft und das Geld in der Börse reichen. Verglichen mit anderen Veranstalterinnen sind die Preise bei NORDventure aber erstaunlich günstig, und Organisation und Verpflegung lassen trotzdem wenig zu wünschen übrig. Einziges Manko: Die Plätze sind begrenzt.   

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siegess

aus: Siegessäule 3/99

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ukzWildnis auf Raten

Abenteuer, Natur pur und ein Hauch von Luxus: Mit dem Kanu durch den schwedischen Dschungel. Das Reisetagebuch

Ein kurzes Bremsmanöver am frühen Morgen, und alles stürzt, trotz durchgefahrener Nacht plötzlich hellwach, auf die linke Seite des Busses: ein Elch! Das geht für die Gruppe wildnishungriger Damen ja gut los mit den versprochenen skandinavischen Abenteuern, mit der Natur pur, mit den glasklaren Seen in Trinkwasserqualität, die wir zwei Wochen lang mit Kanus durchstreifen wollen. Wir tasten uns durch eine sogenannte „Adventure-Road“ mitten durch den Wald vor, bis durch die Bäume einige riesige Indianer-Tipis auf einer Lichtung auftauchen: das Kanu-Camp ist erreicht. Wir machen es uns in einem Tipi gemütlich, danach ein paar Paddel- und Kenterübungen im See, dann lassen wir uns beim Grillabend am Lagerfeuer von unserer Scout erzählen, was uns genau erwartet.

Durch das nahezu naturbelassene Seengebiet Nordmarken direkt an der schwedisch-norwegischen Grenze soll es gehen, durch „eines der besten und spannendsten Paddelreviere Schwedens“, so steht es im Velbinger Reiseführer. Nebenbei erfahren wir, daß wir uns außerdem mitten in der Szenerie befinden, an der Marianne Frederikssons Bestseller "Hannas Töchter" spielt; später wird uns Städterinnen noch klar werden, wie hart das Leben in den urgewaltigen Landschaften West-Värmlands und Dalslands im letzten Jahrhundert gewesen sein muß.

Am nächsten Morgen werden wir unsere Verpflegungs-Tonnen und die wasserdichten Packsäcke packen - die komplette Ausrüstung wird gestellt - und los geht´s! Das Feuer im Tipi knistert noch etwas, und dann träumen alle erschöpft von Bibern und Elchen, meterlangen Hechten - und der wunderschönen Landschaft und der Einsamkeit, die wir für uns erobern wollen. - Einige Tage später. Wir haben uns schon an den Rhythmus gewöhnt: an das Feuermachen am Morgen, um den Kaffee (in drei verschiedenen Varianten, die Ansprüche der Damen sind hoch!) zu kochen, an das Schnittchenschmieren für die Mittagspause, an das Abbauen des Nachtlagers. In immer unterschiedlichen Kanu-Zweierbesetzungen verbringen wir den Tag mit paddeln, rasten, Inseln erkunden, angeln. Und zwischendurch geht´s ab ins ganz und gar nicht kühle Naß. Dann die Suche nach einem geeigneten Camp: vielleicht diese kleine Insel dort? Oder eine der vielen offiziellen Raststätten mit einer Schutzhütte? Das spart das Zeltaufbauen und bietet außerdem einen Hauch von Luxus mitten im Abenteuer, denn eine fertig angelegte Feuerstelle inklusive Feuerholz sowie eine neugebaute Trockentoilette gibt´s dazu! Wo kann die Hängematte aufgehängt werden? Hier wachsen Pfifferlinge in Massen! Dort Blaubeeren! Wir wollen auf die Insel, durch deren Mitte die schwedisch-norwegische Grenze verläuft! Wo war doch gleich die Stelle, wo der Sandstrand mindestens ebenso schön ist wie an der Riviera? Mist, der Platz ist schon besetzt. Da drüben ist eine andere Kanu-Gruppe, vielleicht können wir da Milchpulver gegen Nutella tauschen? Heute Pancakes oder Müsli zum Frühstück? Wann machen wir einen Ruhetag? Und so fort...

Die totale Entspannung macht sich breit. Bei den abendlichen Lagerfeuern werden erstaunliche und phantasievolle Köstlichkeiten gebruzzelt (auch wenn erst keine glauben wollte, daß man Pizza auch auf dem offenen Feuer grillen kann :-))und bis spät in die Nacht geplaudert. Der seltene Regen ist gnädig mit uns: Es regnet nachts, morgens ist der Tag wie frisch gewaschen. Eine Regennacht haben wir quietschvergnügt unter der Schutzplane verbracht und unser Sangesrepertoire zum besten gegeben. Und jetzt sind´s seit fünf Tagen 30 Grad... Der Einkaufsbummel in einem kleinen Kaff im Nirgendwo - die Boote am Anlegesteg angebunden, sind wir ausgehfein? - erinnert uns an die Freuden der Zivilisation: Eis am Stiel! Ein Supermarkt! Am Abend sind alle froh, daß uns der Alltag vorerst noch nicht wieder hat. Noch fünf Tage... Die Sonnenuntergänge sind postkartenreif. An Vollmond sind wir nachts auf den See hinausgepaddelt - uns steht der Mund offen, als wie auf Bestellung dazu der Ruf eines Käuzchens über den See schallt.Elche laufen einer leider viel häufiger mitten in der Zivilisation, gerne auch direkt auf der Straße über den Weg als mitten in der Wildnis. Und dann sind sie plötzlich doch viel zu schnell vorbei, die zwei Wochen Abenteuerurlaub. Zum Abschluß gibt es noch einen Höhepunkt: Wir bauen aus Ästen und Planen unsere eigene Schwitzhütte am Strand. Stundenlanges Einfeuern der Steine, ein paar Tröpfchen ätherisches Öl, danach der Sprung in den See - wow! Ein opulentes Abschiedsmahl im Camp, ein letzter Kaffeeklatsch, dann geht´s wieder ab nach Berlin. Unvergesslich! skai

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Achtung, Rentiere kreuzen!

Futuristische Fjorde, staufreie Straßen, bizarre Bergpässe & kuriose Kreuzfahrt: Kurvenfieber im atemberaubenden Fjord- & Bergland Norwegens.

Das Norwegen aus Postkarten und Büchern ist vor allem bergig, einsam und entlegen, es gibt Großaufnahmen von traumblauen Fjorden mit himmelweißen Schiffchen drauf und Werbung, die sich mit Romantik nicht zurückhält. In Büchern liest man von schweigsamen, verwitterten Menschen und sauber gefegten Straßen ...
Als wir morgens nach langer Fährfahrt durch den Oslofjord endlich wieder festen Boden unter den Rädern haben, sehen wir erstmal eines: eine Stadt, in der wie in jeder anderen Großstadt der Welt reger Betrieb herrscht und der wir demzufolge schnell den Rücken kehren wollen. Denn wir sind auf Natur, Erholung und vor allem leere, elegant geschwungene Straßen eingestellt – und auf atemberaubende Ein- und Ausblicke in einem der schönsten Länder Europas. Unser Motorradtrip soll einen Einblick in die Vielfalt Norwegens bieten: von der Schärenküste über die sanfte, moosige Hügellandschaft der südlichen Telemark, dramatische Gebirgspässe, auf denen der Schnee selbst im August nicht schmilzt, bis zu den Kirschplantagen gegenüber der Hardangervidda oder der Hansestadt Bergen, eine der Kulturhauptstädte Europas.
Nach einem ersten Reifentest auf den schmalen und schon jetzt kurvigen Straßen – dabei sind wir gewissermaßen noch im Flachland, aber auch wenige Kilometer von Oslo entfernt geht es keine zehn Meter mehr einfach geradeaus (ich hab es ja so gewollt!) – gelangen wir ins Schärenstädtchen Kragerø mit seinen verwinkelten Hafengassen und den vielen kleinen vorgelagerten Inseln. Angekommen! Als Ausgleich für die lange Anreise werden wir heute bekocht. Später heißt es dann einkaufen. Ein bißchen Stauraum in den Packsäcken freilassen! kam die Devise vorab von der Organisatorin, um die tägliche Ration Nudeln, Süppchen oder Bier zu transportieren, die später im Vandrarhjem zu leckeren asiatischen, österreichischen Gerichten oder dem schnellen Imbiß zwischendurch verarbeitet wird. Das Leichtbier, stellen wir schnell fest, läßt sich süffig wegschlürfen wie Limonade; aber wehe frau wird im Restaurant als motorisiert erkannt! Da wird auch nicht der kleinste Fingerhut Alkohol ausgeschenkt.
Die Reihenfolge der Fahrerinnen steht am zweiten Tag schon locker fest: die behäbigen Chopper (also auch ich) nach vorn, die schnelleren Flitzer und muskelbepackten Maschinchen eher nach hinten. Wer will, kann nach Absprache auch mal vorbrausen – ich bin allerdings schon ganz froh, meinen kleinen, fast bis zum Auspuff runter bepackten Raven glücklich um die Bergrücken und in die Tunneleinfahrten hinein- und auch wieder hinaus zu steuern. Die Tunnel entlassen uns direkt ins Hochgebirge, wo uns statt Tannenduft die Höhenluft um die Nase weht. Von Schneeflecken in der Ferne aus wird unsere bunte Karawane scheu von Rentieren beäugt, und nach einer Slalomfahrt an Felsvorsprüngen und glitzernden Seen vorbei gelangen wir zum hoch oben über dem Lysefjord gelegenen Aussichtspunkt. Und vor uns liegt tatsächlich ein Hochglanztraum von Fjordlandschaft, mit in paar Wölkchen auf halber Höhe zwischen Wasser und Himmel, als würden sie auf dem Silbertablett vorübergetragen. Das Wetter spielt also mit, auch wenn uns ein Regentest mit Sicherheit noch bevorsteht, wir sind schließlich in Norwegen. Was mir momentan allerdings die Knie weich werden läßt, sind eher die ziemlich genau 27 Kehren, die uns nach unten zur Fähranlegestelle bringen sollen – gewissermaßen die Feuertaufe. Aber ist die erstmal bestanden, geht alles gleich viel besser, und schon machen die Pässe mit ihren immer wieder neuen Aussichten, ihrer Einsamkeit aus Schnee und den wenigen Blüten am Straßenrand richtig Spaß. Unten im Tal leuchten dunkelrot die Kirschen in der Sonne oder werden gleich am Straßenrand tütenweise zum Kauf angeboten, so daß man sich beim Kirschkernweitspucken schwitzend die Goretexjacke vom Leib reißt. Ab und zu geht es nur noch per Fähre weiter. An steil aufragenden Felswänden schippern wir schmale Fjorde entlang, die bikes gut verschnürt im Schiffsbauch. Rechts taucht ein verlassenes Gehöft auf, links eine Stelle, von der es heißt, daß hier vor einigen Jahren noch der letzte Bär gesichtet wurde, und über uns hängen waghalsig balancierende Felsen, die jeden Moment herabzustürzen scheinen. Aber schon werden wir abgelenkt, denn vor uns räkeln sich echte Robben, in einer lasziven Ruhe, als hätten sie sich gerade in Schale geschmissen und warteten jetzt nur darauf, daß der Kapitän mit seiner Durchsage das Zeichen zum Auftritt gibt (und links sehen Sie ...). 
Nach der kleinen Kreuzfahrt auf dem Lysefjord geht es zum Preikestolen, dem „Predigerstuhll“ – eines der Wahrzeichen dieses wilden Landes. Ein wunderschönes Vandrahrjem mit eigenem See ist unser, das nicht nur Luft und Aussicht einer Berghütte bietet, sondern noch dazu den Charme eines Romantikschlößchens besitzt, mit seinen mit Kerzenleuchtern und holzgeschnitzten Truhen bestückten Zimmern. Wer will, macht noch einen Spaziergang zum See, die Kette muß zwischendurch auch mal wieder geölt werden, und abends gibt es „Ü“ aus dem Packsack der Scout; ein Geheimnis, das nur an besonderen Tagen gelüftet wird und hier des Effekts wegen allen zukünftigen Norwegenentdeckerinnen nicht verraten werden soll... Spät darf es heute gern werden, denn der nächste Tag ist ein Ruhetag. Aber faulenzen ist nicht drin. Denn wir müssen unbedingt auf den Berg, der uns schon von Ferne gelockt hat, auf den man aber nur per pedes kommt. Wir stürmen also los und werden natürlich sofort zum Blickfang, wie wir in unseren knarzenden Motorradklamotten (für die Wanderausrüstung hatte frau nun wirklich keinen Platz mehr) den Berg hochkeuchen. Lohnt sich aber, denn die Aussicht von oben ist einfach hinreißend, und wenn nicht just in diesem Moment ein Regenschauer über uns hereingebrochen wäre, wäre es glatt zu schön gewesen...
Wen nun aber das Bike anstelle des Berges ewig lockt, darf sich auch am Ruhetag in die Fußrasten schwingen und fährt einfach ein paar Schleifen und Kehren in der näheren Umgebung. Die Jugendherbergen, in denen wir übernachten, sind im allgemeinen eine Überraschung. Sie sind erstaunlich großzügig und komfortabel angelegt und gleichen eher einer etwas groß geratenen Pension als den Massenschlafsälen, Lautstärke inklusive, die man aus Deutschland gewohnt ist. Eine Ausnahme ist allerdings Bergen, wohin sich ein Wachhabender der Nationalen Volksarmee geflüchtet haben muß, der jetzt dort das Regiment übernommen hat. Alles hört streng auf sein Kommando, und mir fallen unwillkürlich sämtliche Tricks wieder ein, die ich früher gegen die disziplinierenden Gruppenleiter im Ferienlager einzusetzen gelernt habe. Aber der Vandrahrjem-Boß ist der einzige Schwachpunkt Bergens, einem charmanten, geschichtsträchtigen Städtchen mit einem Zentrum aus Fachwerkhäusern, die die kleinen angehenden Pfeffersäcke während ihrer Lehre in der Hanse allerdings nicht so charmant gefunden haben werden – warum, verrät das Hansemuseum mit freundlicher Führung. Ein Tag Kulturtrip mit Räkor-, Verzeihung: Krabbenessen im Hafen, Burgbesichtigung und einem Ausflug zum Anwesen Edvard Griegs verwandelt uns vorübergehend wieder in Städterinnen. Daß uns später noch Elche über den Weg laufen und ein Wasserfall quer über die Straße stürzt, ein pampiger Busfahrer (der einzige zum Glück) unbedingt beweisen muß, daß er gelernt hat, wie man Motorradfahrer auf kurviger Straße AUF KEINEN FALL vorbeiläßt oder wir in greifbarer Nähe eines Gletschers vorüberkurven, das alles wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir zurren morgens das Gepäck wieder fest und auf geht´s: Norwegen, Teil zwei, wobei wir uns schon fast wie die Insider fühlen...
Antje Rávic Strubel.

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